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Ein Knoten aus Angst und was sich daraus entwickelte



Es ist eine Woche vor Ostern, gutes Wetter noch dazu, Sonnenschein, endlich Frühling. Ich freue mich auf die freien Tage mit der Familie und auch auf die Veranstaltungen, die wir als Vorbereitung auf den speziellen Segen des Osterfestes in der Schule der Heilkunst besuchen. Zwei Schulungen haben bereits stattgefunden, mit besonderen Meditationen beschäftigen wir uns zudem zu Hause mit der Energie, die an Ostern allen Seelen zur Verfügung steht. Eine wundervolle Zeit, wie ich finde, voller Aufbruch und Hoffnung, sowohl im Außen als auch im Innen.


Ach, du dickes Ei!


Doch, was ist das? Bei einem Ferienausflug mit Oma und den Kindern kann ich nach kurzer Zeit die Stadtbesichtigung kaum mehr genießen. Ich mag nicht mehr laufen! Keine Burg, Kein Gewässer, kein Park locken mich weiter, jeder Schritt schmerzt! Und wie! Aber nicht, weil mir die Füße weh täten, oh Nein! Das Problem liegt eher dazwischen, am unteren Ende des Leibes. Es zwickt und zwackt und drückt und sticht, als hätte die Naht der Jeans keinen guten Sitz am Allerwertesten. Ich muss mich setzen, wir nehmen schleunigst Platz in einem Eiscafé, nur sitzen, koste es, was es wolle! Aber die Erleichterung ist leider nur von kurzer Dauer. Wie kann es auch gut sein, wenn man auf dem sitzt, was wehtut! Ich will nach Hause, nur noch ausstrecken und hinlegen, Druck wegnehmen. In meinem Leid mache ich den Kindern ein bisschen heißen Dampf unterm Eis.


Zu Hause, dankbar und in stabiler Seitenlage, erinnere ich mich an vergangene Zeiten, an damals, als ich die Kinder gerade zur Welt gebracht hatte. Hatte ich da anschließend nicht auch diese Schmerzen an der Stelle, die man für gewöhnlich im Dunkeln belässt? „Oh ja“, dämmert es mir, „und es hat ewig gedauert, bis es wieder gut war!“. Und so wie mir ging es fast allen Frauen aus meiner Geburtsvorbereitungsgruppe, ich war mit dieser Auswirkung beim Hervorbringen neuen Lebens sozusagen in bester Gesellschaft. Bevor ich also noch lange über meine Schamgefühle nachdenken kann, schreibe ich lieber gleich eine SOS-Nachricht an Annette. Als Ärztin wird sie wissen, was man besorgen kann aus der Apotheke, um das mir so unangenehme Leiden zu lindern. Mittlerweile kann ich an nichts anderes mehr denken!


Hilfe naht


“Analvenenthrombose “, So also heißt diese peinliche Angelegenheit, aufgrund der wohl schon Napoleon die Schlacht von Waterloo verloren hat, wie mir mein Gynäkologe, den ich mit der Begutachtung meines Falls betraut habe, ein paar Tage später bestätigt. Weil er an einem akuten Anfall gelitten habe, konnte er nicht zu Pferde sitzen und wie sonst das Schlachtfeld von oben dirigieren. Absolut verständlich! Ich bin mir allerdings keineswegs sicher, ob Napoleon das zugeben würde, würde man sich überhaupt wagen, ihn danach zu fragen.


Annettes Mail ist vor allem wichtig für mich, weil ich mit ihr arbeiten kann, viel tiefer, als das Cremes und Tabletten je könnten. Es gehe um Angst, schreibt sie, um Verkrampfung dem Leben gegenüber, manifestiert an nicht zu übergehender Stelle, sozusagen am Hauptumschlagsplatz des Körpers, vom Innen nach Außen. Wenn sich an dieser Stelle Angst in Form von Festhalten und Verkrampfung zeige, entstehe starker Druckschmerz. Wie bildlich, Autsch! Die Zeit um Ostern und um Jesu Kreuzigung sei prädestiniert dafür, so erklärt mir Annette weiter, tiefe Existenzängste hervorzubringen, damit sie unter dem Segen des Osterfestes transformiert und gewandelt werden können in ein tiefes Vertrauen ins Leben. Ich würde dies auch stellvertretend für meine Ursprungsfamilie tun, diese Verkrampfung sei auch Ausdruck der Ängste meines ganzen Familiensystems.


Oh ja, das kann ich mir gut vorstellen! Nicht nur aufgrund der Intensität meiner aktuellen Schmerzen sondern auch, weil meine Familie schon immer, aber besonders seit mehreren Monaten, in starke Ängste verwickelt ist. Ein überraschendes und für alle beängstigendes Geschehen hatte vor einiger Zeit alles auf- und hochgewirbelt, was bis dahin gut verborgen war. Klar, irgendwo will sie hin, diese Angstenergie, aber muss das ausgerechnet über meinen Entladungskanal sein? Ein wenig fühle ich mich auch als Opfer. Aha, hier also liegt der Link zu meinem ganz persönlichen Osterprozess.


Heilung aus der Tiefe


Da ich in den nächsten Tagen nicht allzu viel tun kann, was mit Bewegung zusammenhängt, habe ich reichlich Gelegenheit, liegend der Angst in mir selbst nachzufühlen: Existenzsorgen in mir zu finden, zu entdecken, wo ich nicht vertrauen kann, Gott und dem Leben gegenüber. Zu fühlen, wo der Schmerz in mir selbst sitzt, ihn zu benennen, aufzuschreiben und dann zu verbrennen im Ofen. Es war einfacher, meiner Familie gute Tipps zu geben, wie sie mit ihren Sorgen umgehen können und manchmal auch genervt davon zu sein, als selbst all das in mir zu entdecken! Und doch sind wir alle miteinander verbunden, teilen wir dieselbe Geschichte, dieselbe energetische Information, ob ich das nun gut finde oder nicht, und über unsere Mutter sogar denselben Schoß, denselben Ursprung. Die Tage vor Karfreitag und Ostern werden somit zu einer stillen Einkehr für mich selbst, und auch zu einer Möglichkeit, Verbindung und Liebe zu spüren im Familienschmerz sowie tiefe Demut und Dankbarkeit zu empfinden für alles, was mir in diesem Leben schon geschenkt wurde.


Mein spezielles Leiden heilt – wie von Annette bereits vorsichtig angekündigt – leider nur langsam, trotzdem finde ich dank ihrer engen und liebevollen Unterstützung den roten Faden dazu und auch zu einer positiven Zufriedenheit, unabhängig von meinem Schmerzpunkt. Er ist da, ich sehe und fühle ihn, kann ihn annehmen und brauche ihn nicht mehr angestrengt wegdrücken. Als Ostern wirklich naht, ist es sogar schon sehr viel besser. Im Seminar reicht mir Annette fürsorglich ein extra Kissen zum Auspolstern. So lässt sich die Meditation im Sitzen gut aushalten und die fließende Heilenergie kann im Entspannungszustand ihren Wirkungsbereich nicht verfehlen.


Ein scheinbar verpatzter Ausflug


Mit dem Ende des Prozesses an Ostermontag fühle ich mich wie neugeboren, innerlich wie äußerlich. Laufen funktioniert wieder, Sitzen auch, die speziellen Ostereier sind schon fast vergessen. Das schöne Wetter lockt nach wie vor nach draußen in den gerade erst erwachten Frühling und da ich wieder spazieren gehen kann, wage ich einen erneuten Ferien-Ausflug mit Kindern und Oma. Nach Rüdesheim am Rhein soll es diesmal gehen, ein typisches Touristenziel hier in der Umgebung, das wir bisher allerdings mit den Kindern noch nicht angesteuert haben. Ich möchte ihnen ein bisschen deutsche Kultur näherbringen, durch die berühmte Drosselgasse bummeln, mit dem Sessellift zum Niederwald-Denkmal fahren. Doch leider vergesse ich beim Eingeben des Ziels in das Navigationsgerät den kleinen Zusatz „am Rhein“ und so landen wir in einem verschlafenen Nest namens Rüdesheim irgendwo im tiefsten Rheingau. Nichts los hier, deshalb fahren wir kurzerhand in die nächstgelegene größere Stadt, nach Bad Kreuznach. Auch ein schöner Ort zum Bummeln, wie wir feststellen, von selbst aber wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, dorthin zu fahren.


Und somit hätte ich etwas ganz wundervolles verpasst: Im Schaufenster eines Antiquariats steht SIE! Eine armlange Holzfigur der Mutter Maria, etwas, was ich mir schon lange wünsche. Bisher aber hat mir noch keine Schnitzfigur zugesagt, sie wirkten für meinen Geschmack alle zu sakral. Doch diese Mutter hier ist so fein, so zartgliedrig und hält ihr Kind mit solch einer liebevollen Präsenz, dass ich vor dem Schaufenster fast Dahinschmelze. Sie ist wunderschön! Aber ich traue mich kaum, hineinzugehen und nach dem Preis zu fragen. Wohin ich in der Auslage auch blicke, überall stehen teure Gemälde, goldene Spiegel, silberne Kerzenleuchter. Sicher ist die Statue unbezahlbar. Es ist das einzige Stück im Schaufenster ohne Preis und so entscheide ich mich fürs Weitergehen, nicht ohne aber mich dabei noch einmal zu ihr umzudrehen.


Das Beste zum Schluss


Es ist meine Mutter, die meinem Bedauern ein Ende setzt und sagt, sie würde die Figur selbst kaufen, wenn ich es nicht täte. Huch, so entschlossen kenne ich sie gar nicht. Und schon ist sie auf dem Weg in den kleinen, voll gestellten Laden, die Kinder neugierig auf ihren Fersen. Hoffentlich geht nicht auch noch etwas zu Bruch, denke ich wenig optimistisch und eile hinterher. Im halbdunklen Antiquariat traue ich meinen Ohren kaum: Der Preis, den die ältere und sehr herzliche Ladenbesitzerin uns nennt, ist so niedrig, dass er nicht stimmen kann. Damit aber auch ich verstehe, dass er eine Tatsache ist, wiederholt sie ihn geduldig noch einmal und zeigt mir außerdem eine Jesusfigur aus bemaltem Gips, die sie mir dazu schenken will. Schließlich gehörten sie zusammen, Maria und Jesus, meint sie.


Kann das sein? Träume ich? Ich fühle mich wie im Film an diesem „Osterdienstag“ , auf dem Weg zum Auto eine schwere, gut verpackte Holzmaria im Arm und einen in Zeitungspapier eingewickelten Jesus im Rucksack. Erst der „verpatzte“ Ausflug und nun diese Geschenke! Hier muss ein anderer Regie geführt haben! Jemand, der das Drehbuch viel besser schreiben kann, als ich das jemals tun würde.

Auf der Heimfahrt breitet sich ein tiefer Segen in meinem Herzen aus, als mir bewusst wird, dass mit der Maria im Kofferraum mein privater und schmerzvoller Osterprozess einen krönenden Abschluss gefunden hat. Das warme und helle Gefühl in mir ist wie eine neue Eichung, die sich selbst durch von Reiseübelkeit geplagten Kindern nicht erschüttern lässt. Als beim Einbiegen in unser Wohngebiet der Zweitälteste in die vorgehaltene Tüte bricht, erkenne ich still schmunzelnd: Wende und Erleichterung beginnt leider ausnahmslos am unangenehmsten Punkt!


Preema


Bild: Johanna Luft


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